Unbekannte Bezeichnung: Kein Italiener kennt Spaghetti Bolognese

Auf der Liste der Lieblingsspeisen reihen sich Spaghetti Bolognese bei vielen Deutschen auf den vordersten Rängen ein. Doch Italiener kennen eine Speise mit diesem Namen überhaupt nicht.
Inhaltsverzeichnis
Die Leibspeise vieler Deutscher
Für viele Deutsche sind Spaghetti Bolognese eine wahre Leibspeise. Die italienische Delikatesse mit Fleischsauce ist eine Gaumenfreude, die Assoziationen mit dem italienischen La Dolce Vita weckt und sich einfach zubereiten lässt.
Doch Italiener wissen überhaupt nicht, was sich hinter dem Menü mit dem Namen „Spaghetti Bolognese“ verbirgt. Was steckt dahinter?

Ursprünge im 17. Jahrhundert
Was hierzulande als Spaghetti Bolognese bezeichnet wird, nennen die Italiener Ragù. Das ist der Name für das Gericht, das Menschen in ganz Italien zubereiten. Bolognese ist eine leckere Fleischsauce, die mit Schweine- und Rinderhack, Zwiebeln, Speck, Karotten, Sellerie und Tomatenmark angereichert wird. Dieses Rezept wurde erstmals im 17. Jahrhundert erwähnt.

Erste Kontakte zur italienischen Küche
Deutsche erfahren erstmals zehn bis 15 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, welche Gaumenfreuden die italienische Küche verbirgt. Damals begann die Zeit des Wirtschaftswunders, durch das immer mehr Geld in deutschen Börsen kursierte. Menschen begannen damit, auf Urlauben die Welt zu erkunden.
Schnell kristallisierte sich Italien als beliebtes Reiseziel heraus.
Einer dieser Sehnsuchtsorte war die Riviera Romagnola mit der Renaissancestadt Bologna.
Verschiedene Pastasorten
Viele Urlauber residierten in Pensionen oder Hotels der Romagna. Ihre Gastgeber kredenzten ihnen Ragù als Sauce Bolognese. Immer mehr Deutsche fanden an der Speise Gefallen und prägten sich deren Namen ein. Wieder zu Hause angekommen, probierten sie das Rezept selbst.
Seitdem bürgerte es sich hierzulande ein, dass sich deutsche Genießer Spaghetti Bolognese und kein Ragù schmecken lassen. In Italien ist es üblich, dass Gourmets das Rezept vorzugsweise mit Penne, Tagliatelle oder anderen Pastaformen genießen, Die Deutschen bevorzugen zu der Sauce Spaghetti.

Die Wurstl erobert Italien
Obwohl Italiener bei der Zubereitung ihrer traditionellen Gerichte vorzugsweise auf heimische Zutaten setzen, könnte eine deutsche Zutat dennoch die italienische Küche erobern. Die Rede ist von Wurstl, besser bekannt als Frankfurter oder Wiener Würstchen.
Auf Pizzen oder in Reissalaten greifen Italiener regelmäßig zu dieser Zutat.
Die Italiener lieben es, die Wurstl heiß zu räuchern. Somit erhalten die Speisen ihren unverwechselbaren Geschmack.
Überraschende Erkenntnisse
Eine überraschende Entdeckung publizierte der Historiker und Wirtschaftswissenschaftler Alberto Grandi übrigens kürzlich in seinem Buch „Denominazione di Origine Inventata“. Der Experte setzt sich seit vielen Jahren mit der Historie weltbekannter italienischer Rezepte auseinander und kam zu dem Schluss, dass viele vermeintliche italienische Nationalgerichte ursprünglich aus anderen Ländern entstammen.
Das Buch wird im Mai 2024 in Deutschland unter dem Titel „Mythos Nationalgericht: Die erfundenen Traditionen der italienischen Küche“ erscheinen.