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Eifelphilosoph
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Eifelphilosoph - Eifelphilosoph

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  • Eifelphilosoph
  • männlich
  • 54
  • Eifel
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    19.02.09
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    19416
    Letzte Aktivität:
    vor 21 Tagen

Eifelphilosoph

Meine Mutter hatte man einige Tage vor meiner Geburt zum Sterben in eine Abstellkammer gestellt. Mein Vater weilte drei Tage bei ihr und pflegte sie gegen den Rat der Ärzte rund um die Uhr.
Sie starb nicht - ich auch nicht.
Allerdings scheint mich dieses Ereignis geprägt zu haben - ich mißtraue Krankenhäusern und habe keine Angst vor dem Tod. Wäre ja auch ... wenn es nach den Ärzten gegangen wäre ... nie geboren worden - also irgendwie vielleicht Zuhause geblieben.
Mein Ur-Ur-Großvater - so sagt man - mied die Zivilisation um jeden Preis. Je näher Stadt, Strom und Eisenbahn an sein Landgut heranrückten, umso schneller brach er seinen Gutshof ab und zog weiter Richtung Ural - wo die Welt im 19.Jhd. in seinen Augen noch in Ordnung war.

Als mein Großvater als sehr junger Mann aus dem ersten großen Menschenabschlachten zurückkehrte, hörte er das sein nagelneuer Stiefvater die polnischen Mägde und Knechte tyrannisierte. Ohne den Täter auch nur anzuhören, ging er ins Haupthaus, verprügelte das üble Subjekt nach Strich und Faden und vertrieb ihn für immer und ewig.

Während des zweiten großen Menschenabschlachtens baute er als Schachtmeister ständig neue Panzersperren für den Sieg im Osten - am liebsten mit Hilfe von
Lagerinsassen. Nur Lagerinsassen können so richtig gute Panzersperren bauen, war seine offzielle Meinung. Und nur gut genährte Arbeiter schaufeln richtig. So hatte er bald einige der besternährtesten Lagerinsassen im Osten - bis die SS ihm auf die Schliche kam und ihn selbst ins Lager sperren wollte.

Gott sei Dank waren die Panzersperren so schlecht gebaut, das "der Russe" schneller war.

Nach diesem Abschlachten gab es in unserer neuen Heimat einen rechtsfreien Raum. Der ortsansässige Großbauer hängte gern jeden, der von seinen Feldern Essen stahl. Auch freute er sich darüber, durch die Straßen zu reiten und voller Begeisterung über seine neue Macht seine Peitsche über hungernde Mitbürger schwingen zu können.

Eine Tages stürzte mein Großvater hinaus ("auf Socken" wie meine Großmutter sich noch Jahr später empörte), zerrte den Reiter hinter einen Busch und gab ihm eine Lektion in gutem Benehmen.

Danach war Ruhe im Dorf.

Mein Großvater war Kettenraucher, starb deshalb im frühen Alter von 82 Jahren.

Mein anderer Großvater ist unbekannt. Die Behörden weigern sich, über seine Personalien Auskunft zu geben. Das hat meinen Vater sehr mitgenommen und ihn bis zu seinem Tode ("das soll jetzt alles gewesen sein" - waren seine ... beinahe ... letzten Worte. Die richtig letzten waren:
"ich glaube, ich muß jetzt gehen".)
Es wird gemutmaßt, das es sich um einen ortsansässigen Großbauern handelte ... oder um eine NS-Größe.

Wie auch immer.

Mich störts nicht.

Mein Vater wurde mit 14 von seiner Mutter vor die Tür gesetzt,
sein Stiefvater hatte ihm eine Lehrstelle vermittelt mit dem Auftrag "den Jungen mal öfters kräftig zu versohlen, der taugt zu nichts, der braucht das".

Zeit seines Lebens hat mein Vater darunter gelitten....und sich sehr weit durchgekämpft. Bis ins Ruhrgebiet, wo er als Bergmann gut unter kam.

Ich bin dann da weg und in die Eifel gezogen - wo sechs meiner sieben Kinder geboren worden sind.

Soviel über mich.

Mehr gibt´s nicht.

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